Herbst in den Schrammsteinen

Herbst in den Schrammsteinen

Montag, 20. Juli 2015

Blümlisalpüberschreitung/Berner Oberland

2.Tag: Überschreitung Morgenhorn 3623m-Weisse Frau 3650m-Blümlisalphorn 3657 m

Schwierigkeit: AD (ziemlich schwierig), steile, ausgesetzte Firngratbegehung bis 50°, Fels II, Route insg. 1100 Hm in Auf-und Abstiegen


Der Kletterführer schreibt: Die Blümlisalp-Überschreitung zählt zu den ganz großen Grattouren der Westalpen - zu Recht, denn kaum sonst wo kann man den Gang auf einer Gratschneide so eindrücklich erleben wie auf dieser Tour. Noch vor wenigen Jahren war dies eine fast vollständig im Schnee-und Eis verlaufende Route, heute erschweren immer mehr ausapernde Felsen die Begehung - denn die Felsstruktur ist im Allgemeinen ungünstig nach unten geschichtet und auch nicht der Ausbund an Festigkeit.

In der Früh 3 Uhr ist Frühstück und so gegen 3:30 Uhr beginnen wir mit dem Aufstieg zum Morgenhorn. Durch die derzeitige, äußerst warme Wetterlage sind die Bedingungen nicht noch besser, als oben beschrieben. Im Steilstück zum Morgenhorn ist der Gletscher schon aper. Rainer setzt vorsorglich eine Eisschraube, zum Glück! Ich gleite aus, meine Zacken des Steigeisens schaben nur über das Eis, nichts hält mich mehr: es geht abwärts. Mit dem Pickel zu bremsen ist auf dem Blankeis sinnlos. Dann der Fangstoß - ok, das ist gut gegangen. Adrenalin pur - kurzes Sammeln und dann konzentrierter auf den Frontalzacken nach oben. Geht doch - aber eine kleine Unkonzentriertheit wird sofort bestraft!
Sonnenaufgang über dem Eiger

Steilstufe zum Morgenhorn bei Sonnenaufgang

Dafür kann ich dann den schönen Sonnenaufgang schon wieder genießen. Oben am Gipfel empfangen uns dann die ersten Strahlen der Sonne und ein großartiger Ausblick auf Eiger, Jungfrau, Mönch.
auf dem Morgenhorn

Morgenstimmung auf dem Morgenhorn: im Hintergrund Eiger, Jungfrau, Mönch, Aletschhorn
da geht es weiter, nur nicht lange im Firn, wie man jetzt noch glauben mag

Weiter geht es zunächst über einen Firngrat, welcher in den frühen Morgenstunden wenigstens noch einigermaßen trittfest ist, Richtung Weisse Frau.
Aber nach wenigen Metern - Schluss mit dem Firn, es muss geklettert werden.

zwischen Morgenhorn und weisse Frau

Blick zurück Richtung Morgenhorn

Bergpanorama auf der Weissen Frau

Die Weisse Frau hat inzwischen ihr weisses Kleid ebenfalls abgelegt.
Blick in den Aufstiegsweg zum Morgenhorn

tief unten: die Hütte

kombiniert geht es weiter...

mal Firngrat, mal Fels



Und so wechselt sich das immer ab, Kletterstellen und Firn - eine schöne kombinierte Kletterei inzwischen. Mit großartigen Ausblicken ins Wallis und bis hinüber zum Mont Blanc.


ganz im Hintergrund: Mont Blanc

Kurz vor dem Blümelisalphorn, dem letzten Gipfel stoppt uns noch einmal eine große, offene Spalte direkt auf dem Grat. Es hilft nichts, wir müssen einen Ausweg finden und der führt erst einmal links des Grates steil nach unten. Dort ist eine Schneebrücke zu erkennen und dann auf der anderen Seite wieder steil zum Grat hinauf. Spaß macht das nicht, der Firn ist matschig und trägt nicht mehr wirklich.Hinab muss gesichert werden und hinauf geht es mühsam und kostet Kraft und Zeit. Kein Tritt hält wirklich lange und so muss sich jeder seine Tritte selber machen.



auf dem letzten Gipfel, dem Blümlisalphorn

Nun noch eine kurze Kletterei, ein abschließender Firngrat und wir stehen auf dem letzten Gipfel, dem Blümlisalphorn. Inzwischen ist Mittag. Tief unter uns liegt der Oeschinensee und auch die Hütte.
tief unten, der Oeschinensee


Der Abstieg ist nicht gerade das, was man sich erhofft. Der Firn immer weiter aufgeweicht und sulzig, der Fels wirklich unangenehm nach unten geschichtet und sowas von locker. Aber es gibt Sicherungsstangen und die werden auch benutzt.
Abstiegsweg

Die Randkluft unten sah dafür von der Hütte gefährlicher aus, als sie war! Und wir gehen auch unterhalb von Ufem Stock über den aperen Gletscher zurück, so haben wir nicht all zu viel Gegenanstieg und es ist etwas kürzer.

Randkluft: sah hier gefährlicher aus, als sie war

der spaltige, apere Blümlisalpgletscher - aber es gibt einen Weg hindurch

Eine gelungene Bergtour mit unserem Freund und Bergführer Rainer.



 

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